WARUM BIN ICH IM WIDERSTAND?

Ich bin Vater. Von drei wundervollen Kindern. Und ich habe in einer der wohl schwierigsten Zeiten unserer jüngeren Geschichte – während der Pandemie – bei der Hamburger Polizei gearbeitet. Diese Zeit war geprägt von Angst, Unsicherheit, Ohnmacht. Beruflich wie privat wurde ich mit Fragen konfrontiert, auf die es keine Antworten gab. Nicht nur ich hatte diese Fragen – es waren viele. Menschen in meinem Umfeld, Kollegen, Nachbarn, Freunde. Doch statt Antworten kam: Schweigen. Statt Klarheit: neue Zweifel.

Die Politik hat uns, so habe ich es erlebt, allein gelassen. Mit unseren Sorgen. Mit unserer Unsicherheit. Mit unserer Verantwortung. Sie hat uns nicht zugehört. Und irgendwann – nachdem ich meine Haltung nicht mehr verbergen konnte – hat sich auch die Polizei von mir getrennt. Das war mehr als ein beruflicher Schnitt. Es hat etwas in mir erschüttert. Mein Vertrauen. In Strukturen, in Gerechtigkeit, in das, was ich einmal mit vollem Herzen verteidigt habe.

Ich habe das Gefühl, dass der Staat mir – und vielen anderen – unterstellt, nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen. Und das, weil wir Fragen stellen. Weil wir nicht alles hinnehmen. Weil wir uns sorgen. Dabei ist es doch gerade das – diese Wachsamkeit, dieses Fragen – was eine lebendige Demokratie ausmacht. Was unsere Verfassung schützt.

Aber stattdessen erlebe ich ein Klima der Angst. Des Schweigens. Der Ausgrenzung. Und ich frage mich: Ist das wirklich die Strategie? Kritische Stimmen ausgrenzen? Den Dialog verweigern, statt ihn zu suchen? Die Kluft vergrößern zwischen Bürger und Staat, um Ruhe zu erzwingen? Ich will das nicht glauben – aber ich kann es nicht mehr ignorieren.

Diese Fragen lassen mich nicht los. Sie haben mit mir zu tun. Mit meinem Weg. Mit meinem Gewissen. Mit meinem Selbstverständnis als Vater, als Mensch, als ehemaliger Polizist. Und sie betreffen vor allem die Welt, in der meine Kinder groß werden. Was für eine Gesellschaft wollen wir ihnen hinterlassen? Eine, in der Widerspruch verdächtig ist? Oder eine, in der Offenheit, Mitgefühl und echte Dialogbereitschaft wieder einen Platz haben?

Deshalb bin ich im Widerstand. Weil ich glaube, dass es besser geht. Menschlicher. Ehrlicher. Freier.

Stand: 25.05.2024